When in town – mit Kate durch London. Eine Miniserie. 4. und letzter Teil.

In, auf und über die Themse – willkommen in Richmond und Twickenham!

Falls ich jemals nach London ziehen sollte, weil ich so irrsinnig viel Geld verdiene oder von einer mir noch unbekannten Erbtante ein Vermögen geerbt habe, dann würde ich mir  ein Haus in Richmond suchen. Eigentlich gehört Richmond nicht mehr wirklich zu London-Stadt, eher zu „Greater London“, aber es ist ein wunderschönes Städtchen im Grünen mit Großstadtflair, direkt an der Themse. Twickenham und Kew Gardens (offiziell Royal Botanic Gardens Kew) sind unmittelbare Nachbarn. Die District Line (U-Bahn London) hat hier eine Endstation und ist in 30 Minuten mitten in der Hauptstadt. Auch Heathrow Airport ist nur ein „stonethrow“ entfernt. Richmond liegt in der Einflugschneise und Flugzeugbegeisterte kommen bereits auf dem Bahnhofsvorplatz voll auf ihre Kosten. (Nicht, dass ich da….Hans-guck-in-die-Luft oder so…!)

Selbst an einem Sonntag gegen Mittag ist dort lebendiges Treiben. Die Hauptstraße „The Quadrant“ durchzieht den Ort als bunte Einkaufsmeile, hier gibt es rechts und links wirklich alles was das Shopperherz begehrt! Wir begeistern uns entgegen wirklich JEDER Erwartung für einen „Whole Foods Market“. Wir mögen Lebensmittelmärkte die das Einkaufen schön machen. Schnell haben wir uns entschlossen, dass wir zum Lunch ein kleines Picknick machen wollen, an unserem Hauptziel für heute, Ham House.

Andere Ziele für ein solches Unterfangen wären zweifellos das „Richmond Green“ oder der riesige „Richmond Park“ mit seinem Damwild gewesen. Auch entlang der Themse bei Twickenham gibt es viele grüne Naherholungsflächen. Aber die müssen wir uns für das nächste Mal aufheben, Ham House hat gerufen und da muss ich hören.

Wir schlendern ein Stück der Hauptstraße entlang und biegen hinter einem Tesco-Express Markt rechts in eine kleine Gasse ab.

Am Ende steht die Kirche St. Mary Magdalene. Dieser kleine Kirchplatz ist sehr idyllisch mit seinen kleinen terraced cottages. Sie haben üppig bewachsene Vorgärten mit bunten Sommerblumen und berankte Vordächer über der Haustür. Von der Geschäftigkeit hinter uns bekommen wir gar nichts mehr mit und lassen uns von der friedlichen Idylle des Kirchplatzes einlullen.

 

 

             

Hinter dem Kirchplatz verläuft wieder eine Straße, die wir überqueren müssen, um zum Busbahnhof zu gelangen. Denn wir wollen ja schließlich zum Ham House.

In einer Parallelstraße finden wir den Busbahnhof und warten auf die Linie 65. Der Bus kommt kurz darauf und ist bereits voll. Wir schieben uns an dem Fahrer vorbei, grinsen schief und quetschen uns in die Lücken. Der Busfahrer tritt aufs Pedal und saust dem Harry Potter „Knightbus“ in nichts nachstehend, um die Ecken. Wir klammern uns an diese senkrechten Haltestangen; der Begriff „Pole Dance“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. An der Haltestelle „Sandy Lane“ steigen wir aus. Ich erinnere mich an diese ewig lange Straße (der in Notting Hill arg Konkurrenz machend…) von meinem letzten Besuch hier im Oktober, als wir mit dem Auto nach Ham gefahren waren. Und ich erinnere mich an einen Fußweg direkt auf das Anwesen zu. Neben einem Bolzplatz verläuft eine schnurgerade Allee, eine Sichtachse auf Ham House, die heute von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird. Auch hier Naherholung und Freizeitqualität direkt vor der Haustür. Wir biegen also nach rechts auf die Allee Richtung Ham House ab.

 

Das Haus liegt majestätisch, getrennt durch ein riesiges Tor am anderen Ende seines Gartens. Das Tor ist verriegelt und deswegen müssen wir um den ummauerten Garten herumlaufen. Der Weg führt vorbei am Ham Polo Club, wo gerade ein Match stattfindet. Bei nächsten Mal…

Zu unserer Linken erstreckt sich die Gartenmauer schier endlos. Nach geschätzten 500 Metern sind wir vorne angelangt und gehen um die Ecke und stehen bald vor dem Haupttor.

Hier werden wir sofort von einem mobilen Kassenwagen des National Trust empfangen. Da wir nur einen National Trust –Besuch für diesen Aufenthalt geplant haben, zahlen wir den normalen Eintritt.

 

Wir nehmen unser improvisiertes Picknick und begeben uns direkt hinten in den Park. Eine der großen Teakholzbänke bietet uns einen perfekten Platz an der Terrassenmauer an, mit Blick auf den Park. Mit meinem Steaksandwich habe ich mich selbst überschätzt. Geschmacklich war es gut, aber das Fleisch war eher „Männersache“!

Nun genug pausiert, auf ins Haus! Es hat die ganze Zeit über nicht aufgehört mich zu rufen.

Von dem Ham House selbst werde ich ein anderes Mal berichten.

~

Wir verbringen ein paar äußerst faszinierende Stunden im und am Haus, bevor wir uns wieder auf den Weg nach Richmond zurück machen. Dieses Mal allerdings wird die Themse unser Protagonist sein. Auf der gegenüberliegenden Seite des Haupttores von Ham House wurde eine Schneise in die Flora gefräst und gibt den Blick auf die Themse und ihr anderes Ufer frei.

Hier dümpeln kleine Boote und Yachten, Ruderboote und Kanus. Entlang der Themse verläuft beidseitig ein Rad- und Fußweg, flankiert von Grünflächen und vielen Bäumen. Wie bereits gesagt, ein Naherholungsgebiet! Wir lieben Wasser und Boote und fühlen uns sofort wie im Urlaub. Es ist nicht beabsichtigt, den ganzen Weg an der Themse entlang zu marschieren, stattdessen befindet sich unser Ziel etwa hundert Meter stadteinwärts/ flussabwärts: Eine „foot ferry“!

Für einen Pfund schifft dieses Fährboot Fußgänger auf die andere Flussseite. Normalerweise nicht sonderlich spannend, aber die Situation die wir vorfinden, erheitert die Gemüter und verspricht ein kleines Abenteuer! Die Themse ist in ihrem natürlichen Flussbett im Moment breiter als gewohnt, was dazu geführt hat, dass der Anlegesteg etwa zwei Meter im Wasser steht. Schon vor unserer Ankunft stehen Leute zögernd vor der Anlegestelle, unsicher, ob sie nicht doch lieber die gefühlten drei Meilen bis zur nächsten Brücke laufen sollen. In der Zwischenzeit tuckert das Fährboot langsam auf uns zu und wir sind gespannt. Es ist heute nicht wirklich kalt, aber mit 22 Grad Celsius auch nicht besonders sommerlich warm. Das Boot legt an. Jetzt wird es lustig! Offenbar wurden diese Leute von dem Ferrymaster auf das bevorstehende Wassertreten vorbereitet, denn sie liefen schon barfuß von Bord.  Während die ersten mit der großen Zehe voran ihr rechtes Bein in die frischen Fluten tauchen und hilflos nach dem Ufergrund suchen, befürchten andere die ungeahnte Tiefe weniger und hüpfen beherzt vom Steg. Es macht platsch! – und die weiße 7/8 Hose ist nur noch 7/8. Die „stiff upper lip“ wird vehement auf die untere gepresst und aus der Themse gewatet.

Die Fähre ist geräumt, jetzt sind wir dran! Mein Mann hält sich noch ein wenig mit der Begeisterung zurück, während ich schon vorfreudig meine Hosenbeine hochkremple! Ich funkle vor Spaß, genau mein Humor! Andere Vielleicht-vielleicht-lieber-doch-laufen- Passagiere halten sich noch zurück, um sich ihres Schuhwerks zu entledigen. Auf die Frage eines Mitpassagiers, weshalb es keine Planke vom Steg zum Ufer gebe, erwidert der Handlanger auf unnachahmlich britische Art „That’s part of the experience!“ (=Das ist Teil der Erfahrung.). Ein paar Scherze weiter kommen alle mit. Nach der unausgesprochenen aber unvermeidlichen englischen „wer-zuerst-hier-war-darf-zuerst-einsteigen“ – Regel steige ich mit meinen Sandalen in der Hand und einem heiteren Gesichtsausdruck in den weltberühmten Fluss. Erlebt man auch nicht alle Tage… Eine erfrischende Abwechslung, nicht nur für die Füße!

Am Steg angelangt, reicht man mir freundlicherweise die Hand und hilft mir hinaufzuklettern. Eine ältere Dame findet sich jedoch nicht in der Lage sich auf dem schmalen Steg aufzurichten und zum Boot zu laufen. Man sieht sie nur auf allen Vieren und hört sie lachen: „Thank God I didn’t put my pink dress on!“ (=Gott sei Dank habe ich nicht mein pinkes Kleid angezogen!) Die Stimmung an Bord während dieser fünfminütigen Überfahrt ist ausgelassen und wir bewerfen uns mit selbstironischen Kommentaren. Großartig!!

               

Auf der anderen Seite pusten wir uns die Füße trocken und laufen weiter Richtung Marble Hill Park. Ein prächtiges neopalladianisches country house in Twickenham, und Sitz von Henrietta Howard, der Mätresse von König George II. im frühen 18. Jahrhundert. Der Park ist bis abends für Spaziergänger geöffnet. Wir durchqueren ihn, um an der anderen Parkseite an der Straße einen Bus nach Richmond zu schnappen. Im Park verbringen viele Einheimische ihren Sonntagnachmittag bei Picknick und Ballspielen; nebenan wird offenbar ein Film gedreht.

Twickenham ist ebenfalls sehr beschaulich, das können wir vom Bus aus sehen. Nahtlos geht der Ort an der Richmond Bridge in Richmond über. Wir überqueren wieder die Themse, diesmal jedoch voll bekleidet und trockenen Fußes, und kommen an dem bekannten Anblick von „Richmond Riverside“ vorbei, nämlich ein Terrassenufer, vor der Kulisse des „Hill House“, heute ein Business-, Einkaufs – und Freizeitzentrum in historischem Gewand. Ebenfalls vorzumerken fürs nächste Mal.

Es wird wohl einen Tag geben, an dem wir überall nur picknicken werden! Hauptsache schön, und das kann London, selbst abseits vom typischen Touristentrubel.

 

Das war es von mir und London. Aber sicher nicht zum letzten Mal. Ich hoffe meine kleine Serie hat Euch gefallen, eben „London seen from where I stand“!

Tudelu, Eure Kate. 

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